Archive for the ‘Alle’ Category
Traumberuf
Highballs
Gerade gefunden in meinen Mails - selten lagen Freude und Frustration bei meiner Jobsuche so eng beeinander:
An dieser Stelle absolute, ungetrübte Freude. Noch:
+++ Aktuelles Jobangebot für Journalisten und Medienmacher +++
PLAYBOY
Nur zu Studienzwecken
Ich bin ungeeignet…
… sagte mir gerade eine junge Frau der technischen Universität Dresden am Telefon. Ich hatte mich bei ihr gemeldet, um an einer Raucherstudie teilzunehmen. Rauchen gefällt mir. Ich mag die grauen Kringel, die der Rauch zieht, die raue Stimme am Morgen danach, den Kaffee zur Zigarette, dieses mal kurz vor die Tür müssen, das Dampfablassen. Ich weiß schon, Rauchen ist gesundheitsschädlich, aber das ist ein Jahr in Omsk auch. Darüber hätte ich mich eben gern viel ausführlicher mit der jungen Frau am universitären Telefon unterhalten, vielleicht auch bei einer Tasse Kaffee nach dem MRT. Sagt sie doch aber zu mir: Sie rauchen zu wenig. Erst ab einer Schachtel täglich wären ich und meine Ansichten interessant für sie und ihre Studie.
Jetzt weiß ich nicht: Soll ich beleidigt sein oder erleichtert?
Es brennt der Wald…
Rock im Ostblock…
… ist ein Buch für Liebhaber des östlichen Gitarrenriffs. Auszug aus dem Pressetext: “Die Musikszene des Ostens wartet mit namhaften Bands und Musikern auf. Omega, Breakout, Locomotiv GT, Niemen, Die Roten Gitarren, Budka Suflera oder Collegium Musicum wurden vom Ost-Publikum nicht als Ersatz für Gruppen aus den westlichen Ländern angesehen. Sie hatten ihren eigenen Stil und lieferten Hits, mit denen sie sich in die Annalen der Rockgeschichte schrieben. Viele der Gruppen überlebten die Wende; andere feierten mit sensationellen Comebacks nationale und internationale Erfolge.”
Es haben Herausgeber Christian Hentschel und seine Mitarbeiter keine Mühen gescheut, den Ostblock umzukrempeln, um die Helden von einst vorzustellen, zu befragen, auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch mein kleiner Beitrag zu diesem fulminanten Großwerk: Das bereits legendär gewordene Interview mit Kostja Rabimow.
“Es brennt der Wald… Rock im Ostblock: Die Rockszene im Ostblock” der etwas sperrige Titel des Buches, erschienen im Verlag neues leben. Bitte kaufen.
Alternativer Beginn
Der Einstieg der zweiten Version war übrigens:
“Dresden mochte ich nie besonders. Nicht so sehr wie Quedlinburg, wo ich aufwuchs oder Leipzig, wo ich lang genug studierte. Wären diese Städte Personen, säße Frau Quedlinburg, eine zarte alte Dame bei Kaffee und Kuchen im Fachwerkhaus und plauderte angeregt über ihren leicht verwilderten Garten. Mademoiselle Leipzig trägt gern Ringelsocken und rennt immer ein bisschen hyperaktiv durch die Kante. Wenn sie mit dir redet, raucht sie hektisch und gestikuliert viel. Madame Dresden trägt einen breiten Hut und hat ein tiefes, volles Dekolleté. Mit ihren barocken Formen, ihren alten Geschichten wanzt sie sich ran. Weniger als lieben darf man sie und alles was sie und die ihren tun, nicht.
Erst in Omsk habe ich die Stadt zu schätzen gelernt. Manchmal fehlten mir der Radweg an der Elbe und die Schlösschen und Schnörkel…”
Und so weiter geht es, hier begänne der Artikel. Mir war er zu negativ und zu lang und auch der Einstieg begann zu weit von Omsk entfernt. Etwas habe ich ihn für den Blog noch ein bisschen geändert. Aber in etwa dieser Form stand er da auf dem Papier - die Idee zuerst notiert beim Warten auf dem Arbeitsamt, nun an dieser Stelle zur Diskussion gestellt.
Letzter Brief aus Omsk
Immer schön den Kopf warm halten
Zurück zu kommen ist schon merkwürdig. Hier geht das Leben weiter, dort geht das Leben weiter und ich befinde mich im zollfreien Bereich dazwischen. Weiter unten gibts den letzten Brief aus Omsk, erschienen in der Sächsischen Zeitung. Er ist die dritte Version dieses Artikels. Als ich schrieb war ich bei meinen Eltern zu Besuch und habe sie vorgeworfene zwei Tage lang kaum gesehen oder gar gesprochen, weil ich versucht habe, ein Jahr in ein paar Zeilen Text zu pressen. Es gibt sicher Schlimmeres - aber das war auch nicht schön. Hier also das Produkt: Read the rest of this entry »
Homecoming Queen
Eine Woche noch
… und ich freue mich auf Hasenbraten mit Rotkraut und Klößen.
Was ich aber noch zu Almaty sagen wollte: Hübsche Stadt mit Bergen im Süden und Steppe im Norden. Leider hab ich so viel davon am Ende nicht sehen können. Einmal natürlich wegen der aufreibenden Arbeit als Dozentin fürs Bloggen beim Seminar. Zum zweiten wegen so etwas wie der Kasachischen Variante von Montezumas Rache. Read the rest of this entry »
Kasachstan
Über den Wolken…
Ich bin in Almaty, Kasachstan, bei der Zweiten Zentralasiatischen Medienwerkstatt. Sie hat gerade angefangen und ich sitze hinter den Teilnehmern aus Kasachstan, Russland, Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan und lerne erst einmal was über Fotografie - schaden kann es ja nicht. Heute abend ist es dann an mir, klug zu schwätzen.
Die Reise in den Süden war anstrengend. Gestern morgens um vier in den Zug nach Petropawlowsk, pennen in der Sonne vor dem Flughafen von Petropawlowsk - ein übrigens sehr niedlicher Airport inmitten von grünen Weiden, idyllischen Seen und Birkenwäldchen. Bunte Mosaike an den Mauern. Nichts ist dort los. Zwei Flieger starten am Tag, meiner ist eine Propellermaschine…
Von oben sieht Kasachstan wirklich faszinierend aus: Kann man in Sibirien einsam sein, bekommt man hier definitiv den Blues. Land, Land, Land, gestreifte Äcker, Steppe, selten ein paar Häuser, kaum Bäume oder gar Wälder und dann irgendwann kommt Astana - eine Landung wie Achterbahnfahren.
Die Hauptstadt kenne ich nur vom Fenster des Flughafengebäudes aus und den Flughafen kann ich mittlerweile anhand der Sitzgelegenheiten kartografieren. Sechs Stunden sind wirklich eine lange, lange Zeit…
Gestern Nacht dann Ankommen in Almaty. Ich hab noch keinen Eindruck von der Stadt - aber ich bin dabei, das zu ändern. Mehr dann später.
Bis dann.
30. und 31. Juli
Mittwoch und Donnerstag
Wenn ich ganz ehrlich bin: Mir ist langweilig. Im Haushalt gibt es weder Computer noch Fernseher. Mein Buch habe ich so gut wie ausgelesen und außer Bibeln und bibelergänzender Literatur steht im Baptistenregal nicht viel. Irina spielt mit ihrem Jüngsten in der Küche, verkauft ab und zu Honig und sitzt manchmal auch einfach nur auf einem Stuhl und beobachtet, was die anderen so machen. Dann setzt sie sich und David ins Auto und sie fahren zur Heuwende auf einen anderen Hof. Read the rest of this entry »
Georgien
Kurze Unterbrechung meiner betulichen Tagebucheinträge
Wie der Einmarsch der georgischen Truppen mein Leben in Russland beeinflusst: Gar nicht. Das zur Beruhigung aller Anverwandten, die nägelkauend vor dem Fernseher sitzen und ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen - sich Sorgen machen. Dann aber hatte das Geschehen doch einen Einfluss, indirekt, auf meine Laune und meine Arbeit. Read the rest of this entry »
29. Juli
Dienstag
Ziehe um von meiner Direktorin zu einer waschechten Baptistenfamilie. Ich packe meine Sachen nicht, weil es mir nicht gefällt oder weil ich in abklingender Geburtstagsverzweiflung doch noch zu Gott gefunden hätte - hier geht es ganz allein darum meine Neugier zu stillen. Olga ist ein wenig bedrückt am Morgen, ich auch. Trotzdem: Mit dem Rucksack auf dem Rücken wandere ich fünfzig Meter die Straße hinunter hinein in eine andere Welt.