Archive for the ‘off-journalismus’ Category
Leser
Ein Leserbrief:

Zur Erklärung:
Heinz Erhardt “Anhänglich”
Das Kind hängt an der Mutter,
der Bauer an dem Land,
der Protestant an Luther,
das Öbild an der Wand.
Der Weinberg hängt voll Reben,
der Hund an Herrchens Blick,
Der eine hängt am Leben,
der andere am Strick…
Und hier der Beitrag, um den es sich handelt, erschienen am 14. Februar im Magazin der Sächsischen Zeitung:
Ich wusste es
… schon immer.
HIV
Traumberuf
Highballs
Gerade gefunden in meinen Mails – selten lagen Freude und Frustration bei meiner Jobsuche so eng beeinander:
An dieser Stelle absolute, ungetrübte Freude. Noch:
+++ Aktuelles Jobangebot für Journalisten und Medienmacher +++
PLAYBOY
Nur zu Studienzwecken
Ich bin ungeeignet…
… sagte mir gerade eine junge Frau der technischen Universität Dresden am Telefon. Ich hatte mich bei ihr gemeldet, um an einer Raucherstudie teilzunehmen. Rauchen gefällt mir. Ich mag die grauen Kringel, die der Rauch zieht, die raue Stimme am Morgen danach, den Kaffee zur Zigarette, dieses mal kurz vor die Tür müssen, das Dampfablassen. Ich weiß schon, Rauchen ist gesundheitsschädlich, aber das ist ein Jahr in Omsk auch. Darüber hätte ich mich eben gern viel ausführlicher mit der jungen Frau am universitären Telefon unterhalten, vielleicht auch bei einer Tasse Kaffee nach dem MRT. Sagt sie doch aber zu mir: Sie rauchen zu wenig. Erst ab einer Schachtel täglich wären ich und meine Ansichten interessant für sie und ihre Studie.
Jetzt weiß ich nicht: Soll ich beleidigt sein oder erleichtert?
Es brennt der Wald…
Rock im Ostblock…
… ist ein Buch für Liebhaber des östlichen Gitarrenriffs. Auszug aus dem Pressetext: “Die Musikszene des Ostens wartet mit namhaften Bands und Musikern auf. Omega, Breakout, Locomotiv GT, Niemen, Die Roten Gitarren, Budka Suflera oder Collegium Musicum wurden vom Ost-Publikum nicht als Ersatz für Gruppen aus den westlichen Ländern angesehen. Sie hatten ihren eigenen Stil und lieferten Hits, mit denen sie sich in die Annalen der Rockgeschichte schrieben. Viele der Gruppen überlebten die Wende; andere feierten mit sensationellen Comebacks nationale und internationale Erfolge.”
Es haben Herausgeber Christian Hentschel und seine Mitarbeiter keine Mühen gescheut, den Ostblock umzukrempeln, um die Helden von einst vorzustellen, zu befragen, auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch mein kleiner Beitrag zu diesem fulminanten Großwerk: Das bereits legendär gewordene Interview mit Kostja Rabimow.
“Es brennt der Wald… Rock im Ostblock: Die Rockszene im Ostblock” der etwas sperrige Titel des Buches, erschienen im Verlag neues leben. Bitte kaufen.
Alternativer Beginn
Der Einstieg der zweiten Version war übrigens:
“Dresden mochte ich nie besonders. Nicht so sehr wie Quedlinburg, wo ich aufwuchs oder Leipzig, wo ich lang genug studierte. Wären diese Städte Personen, säße Frau Quedlinburg, eine zarte alte Dame bei Kaffee und Kuchen im Fachwerkhaus und plauderte angeregt über ihren leicht verwilderten Garten. Mademoiselle Leipzig trägt gern Ringelsocken und rennt immer ein bisschen hyperaktiv durch die Kante. Wenn sie mit dir redet, raucht sie hektisch und gestikuliert viel. Madame Dresden trägt einen breiten Hut und hat ein tiefes, volles Dekolleté. Mit ihren barocken Formen, ihren alten Geschichten wanzt sie sich ran. Weniger als lieben darf man sie und alles was sie und die ihren tun, nicht.
Erst in Omsk habe ich die Stadt zu schätzen gelernt. Manchmal fehlten mir der Radweg an der Elbe und die Schlösschen und Schnörkel…”
Und so weiter geht es, hier begänne der Artikel. Mir war er zu negativ und zu lang und auch der Einstieg begann zu weit von Omsk entfernt. Etwas habe ich ihn für den Blog noch ein bisschen geändert. Aber in etwa dieser Form stand er da auf dem Papier – die Idee zuerst notiert beim Warten auf dem Arbeitsamt, nun an dieser Stelle zur Diskussion gestellt.
Mit Jetlag im Arbeitsamt
Es ist schön zu erleben, wie die Frauen im Amt am Lebenslauf scheitern, weil dessen Angaben nicht mit dem Eingabeformular am Computer in Einklang zu bringen sind. Ich fühle mich gleich ganz besonders.
Meine erste Betreuerin, demnächst wird es wohl ein Herr Brussig oder so sein, trägt Schlappen und hat schlimme Hornhaut an den Füßen. Sie ist freundlich und ein bisschen aufgeregt, den Pauschalisten findet sie nicht in ihren Berufsbezeichnungen. Macht ja nichts, beruhige ich sie, Scheinselbstständigkeit ist das Gespenst der Medienbranche – erschreckend gierig an den Titten der Kreativität saugend aber einfach nicht zu packen. Machen sie doch einen Freien Mitarbeiter daraus, das klingt auch gleich viel aufregender als der hübsch pauschale Schein.
Mit meinen persönlichen Unterlagen im Arm gehe ich zum hippen Neustadt-Friseur und lass mir die Spitzen schneiden. Zeit dafür hab ich ja jetzt.
Old Kid on the Blog
Nach etwa einem halben Jahr ohne Fernsehen schalte ich, zurück in Deutschland, den Kasten ein und was muss ich sehen: Die New Kids on the Block. Warum durften die nicht in Würde und als verdiente Veteranen im Krieg um den besten Platz im feuchten Traum pickliger ZahnspangenträgerInnen altern? Wahrscheinlich war es einfach zu langweilig: Im Heim für ausrangierte Boygroups mit angeschlossener Reha durften sie: nicht singen, nicht tanzen, nicht mit ausgestrecktem Arm auf andere Leute zeigen. Gezehrt wurde vom Ruhm der alten Tage, dazu gab es Pizza und Bier auf dass die Wampe wuchtig wachse.
Doch irgendwann wuchs mit der Pizza-Bier-Wampe auch der Wunsch nach Rebellion, nach Ausbruch und mehr Taschengeld. Und als hätten die Betreuer ihnen nicht immer wieder gesagt: Macht nicht auf, wenn fremde Leute klingeln! ließen kleinen Strolche in einer lauen Sommernacht ihr Hintertürchen weit offen und herein trat ein Mann mit dickem Geldkoffer und einem Körbchen voller Versprechen. Ihr da, die andern bringens nicht mehr, ihr müsst wieder ran, hat er vermutlich gesagt und die fünf Freunde mittels einer List, in der Pizza und Bier involviert waren, ins Fitnessstudio gelockt und dort eingesperrt bis sie aussahen wie Typen, die man im Fitnessstudio eingesperrt hatte.
Und nun tanzen diese aufgepumpten Familienväter über meinen Bildschirm, tun so, als wären sie immer noch Kids, immer noch 15 und immer noch neu im Block, spielen an ihren Handys rum, schmieren sich an Strandschönheiten und schmachten grenzdebil an der Kamera vorbei. Ich möchte mich übergeben.
Abschließendes Fazit: Mark Walberg sieht wirklich besser aus als sein Bruder. Offene Frage: Was ist eigentlich mit der Nase von dem einen Lollo los?
